'Ich kann gar nicht malen', ist die erste Reaktion vieler Patienten, denen die Ärzte aufgrund bestimmter Erkrankungen oder Symptome eine Maltherapie empfehlen. Dort geht es jedoch nicht darum, ein besonders schönes oder künstlerisches Bild zu malen, sondern das unmittelbare innere Erleben, zum Beispiel eines Krankheitsprozesses, in ein Bild zu bringen - ohne über den Kopf bzw. die Sprache eine Bewertung vorgenommen zu haben. Im Prozess des Malens entwickelt sich eine Dynamik, die von Bild zu Bild mehr kreative Energie freisetzt und Veränderungen auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene ermöglicht. Unsere Therapeuten begleiten diese Entwicklung durch Gespräche und führen die Patienten nach und nach in unterschiedliche malerische Techniken, die Wahl verschiedener Farben oder Perspektiven ein. Je nach individueller Situation kann es beispielsweise darum gehen, mehr Bewegung ins Bild zu bringen, Übergänge zu gestalten oder ein Zentrum zu schaffen. Bestimmte Techniken können unterstützend wirken, zum Beispiel die Nass-in-nass Aquarell-Technik, deren verlaufende Farben seelische Verhärtungen und Verkapselungen auflösen helfen.

Das eigentlich Heilsame künstlerischer Therapien ist jedoch die Entdeckung der eigenen schöpferischen Kraft, das Finden eigener Formen des Ausdrucks und ihre schrittweise Gestaltung zu etwas Neuem. Veränderungen im künstlerischen Ausdruck gehen mit inneren Entwicklungen und einer Transformation einher, die auf neue Wege innerhalb der Erkrankung und darüber hinaus verweisen. Verborgene Ressourcen treten zutage, die den Patienten helfen, (wieder) in ein inneres Gleichgewicht zu finden.

Bei entsprechender Indikation erarbeiten unsere Patienten in festen Sitzungen gemeinsam mit den Therapeuten verschiedene künstlerische Ausdrucksformen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, das Malatelier zu bestimmten Zeiten auch allein zu nutzen und an ihren Bildern weiterzuarbeiten. Die anfängliche Scheu und Skepsis gegenüber der Maltherapie weicht in den meisten Fällen großer Freude und kreativem Selbstbewusstsein und mündet nicht selten in dem Satz: ''Ich werd' noch ein Picasso'.